
Mangel und Pragmatismus
Mit Improvisation den Krisenalltag meistern
Eine veränderte Gesellschaft, Lebensmittelknappheit, Epidemien und der Mangel an Medikamenten prägen den Alltag in Fürstenwalde nach 1945. Das Leben ist mühsam und von Unsicherheit bestimmt. In den letzten Kriegstagen ist jede organisierte Kommunikation zusammengebrochen und erst langsam werden die Strukturen wieder aufgebaut.
Und doch zeigen sich gerade hier Überlebenswille und Erfindungsreichtum. Die Menschen versuchen, Halt zu finden und selbst in existenziellen Lebenssituationen ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Not macht erfinderisch. Aus vorhandenen Materialien entstehen neue Gebrauchsgegenstände, Lebensmittel werden »organisiert«, ersetzt oder gestreckt, Tauschgeschäfte und Schwarzhandel sichern das tägliche Überleben.

Zum Plakatmotiv
Ein Holzfuß ersetzte den fehlenden Stiel und machte dieses beschädigte Weinglas wieder »gesellschaftsfähig« – für Feiern, Tauschgeschäfte oder einfach, um etwas Schönes zu besitzen. Zerbrochene Gläser und Holzreste waren in der Nachkriegszeit überall in den Trümmern zu finden. Solche »Notprodukte« stehen für Improvisation und Ideenreichtum in einer Zeit, in der es an allem fehlte.
Weinglas mit angesetztem Holzfuß
1945/49, Museum der Dinge, Berlin
Foto: Armin Herrmann






















