Kindsein

Was bedeutet es, inmitten von Ruinen aufzuwachsen

Kinder erleben das Kriegs­ende anders als Erwachsene. Doch auch ihr Alltag ist von Mangel, Unsicher­heit und der sowje­tischen Besat­zung geprägt. Sie leiden unter Hunger, Kälte und Wohnungs­not. Die Schule bringt wieder etwas Struktur in ihr Leben, auch wenn die Klassen überfüllt sind und es an Material und Lehrkräf­ten fehlt. In Fürstenwalde beginnt der Schul­betrieb bereits im Oktober 1945.

Viele Kinder helfen in ihrer Freizeit bei der Versorgung der Familie: Sie sammeln Ähren und Pilze oder stehen an Ausgabe­stellen an. Gleichzeitig werden Ruinen und Trümmer zu Spiel­plätzen – auf­regend, aber gefährlich durch Blind­gänger, Munition und ein­stürzen­de Mauern.

Zum Plakatmotiv

Zur Kunden­bindung legten Zigar­ren­produzenten kleine Sammel­karten mit Filmstars wie Marlene Dietrich oder Lilian Harvey ihren Packungen bei. Kinder sammelten sie in Alben – als Spiel und Status­symbol. Nach 1945 bekommen die Bilder eine neue Bedeutung. Das »Trümmer­sammeln« wird zu einem beliebten Spiel: Kinder durch­streifen Ruinen, um zwischen Schutt und Papier solche Karten zu finden. Sie werden getauscht, gehütet und bringen ein wenig Glanz in den grauen Nachkriegsalltag.

Sammelkarten aus Zigarrenkisten
vor 1945, Privatsammlung
Fotos: Susann Stein