Die Russen sind da!

Besatzung, Machtwechsel und politischer Neubeginn

Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 beginnt für Fürsten­walde eine neue Ordnung. Die Sowjetische Militär­administration lenkt Verwaltung, Wirtschaft und Politik – und damit den Alltag der Bevölke­rung. Ihr Ziel ist eine »anti­faschistisch-demokratische Umwälzung«: Enteignungen, Boden­reform, Parteizu­lassungen und der Aufbau neuer Macht­strukturen.

Ein zentrales Instrument dafür ist die Entnazifi­zierung. Die Besat­zungs­macht entfernt ehemalige National­sozialisten aus einfluss­reichen Positionen. In Ketschen­dorf richtet der sowjetische Geheim­dienst das NKWD-Spezial­lager ein, in dem zwischen 1945 und 1947 NSDAP-Mitglieder, aber auch willkürlich Festge­nommene und Jugendliche inhaftiert werden.

Zum Plakatmotiv

In den ersten Nachkriegsmonaten bezahlten Offiziere der Roten Armee eine aus Oberschlesien in den Raum Görlitz geflüchtete Schneiderin für Reparaturen an den Uniformen mit Naturalien. Offenbar handelte es sich dabei um Gegenstände, die ihnen auf dem Vormarsch bis zu jener Kleinstadt in der Oberlausitz in die Hände gefallen waren. Dazu gehörten mehrere unvollständige Silber­bestecke – jedes mit einem anderen Monogramm.

Silberlöffel mit Gravur
vor 1945, Privatsammlung
Fotos: Susann Stein