
Über das Projekt
Die Jahre zwischen 1945 und der Gründung der DDR 1949 sind in Fürstenwalde bislang nur wenig erforscht. Zum 80. Jahrestag des Kriegsendes im Jahr 2025 nahm das Museum dies zum Anlass, den Blick auf den Alltag und die Lebenswirklichkeit der Menschen in dieser prägenden »Zwischenzeit« zu richten. Daraus ist ein vielschichtiges Projekt entstanden, das Museum, Zeitzeugnisse und Stadtraum miteinander verbindet.
Im Museum Fürstenwalde führt eine Präsentation mit Fotografien, Dokumenten und Objekten in die Übergangsjahre ein. Zugleich verlässt die Ausstellung bewusst den Museumsrahmen: An zahlreichen Orten im Stadtraum verweisen Plakate per QR-Code zu Videointerviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.
Ihre Erinnerungen sind Teil des kollektiven Gedächtnisses der Stadt. Sie erzählen nicht nur von Ereignissen, sondern auch von Gefühlen und Erfahrungen – Angst und Hoffnung, Hunger und Einfallsreichtum.
Sie machen sichtbar, wie Menschen den radikalen Umbruch nach 1945 erlebten. Gerade dort, wo schriftliche Quellen fehlen, werden diese Berichte zu einer wichtigen historischen Spur.
Am 8. Mai 2026, dem »Tag der Befreiung« und der Langen Nacht der Museen, lädt das Museum Fürstenwalde zu einem öffentlichen Zeitzeugenabend ein. Fürstenwalderinnen und Fürstenwalder können eigene Erinnerungen oder Familiengeschichten teilen und miteinander ins Gespräch kommen.
Begleitend finden in Kooperation mit dem Fürstenwalder »Filmtheater Union« vier Kino-Abende statt. Gezeigt werden Spielfilme der DEFA zur Übergangszeit zwischen Kriegsende und DDR-Gründung, jeweils mit einem kulturhistorischen Kurzvortrag und anschließender Diskussion.
Foto: Umzug zum 1. Mai durch Fürstenwalde, nach 1945
Zum Titelmotiv der Ausstellung
In der »Fürstenwalder Zeitung« vom 9. März 1933 erschien ein Bericht über das Hissen der neuen nationalsozialistischen Fahnen am Turm des Alten Rathauses. Aus dieser Zeit stammt das Gemälde des Fürstenwalder Künstlers Walter Schmidt. Jedoch ist darauf, neben der grün-weiß-schwarzen Fahne der Stadt Fürstenwalde, die Rote Fahne zu sehen – das traditionelle Zeichen sozialistischer und kommunistischer Bewegungen.
Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass das Bild an dieser Stelle übermalt worden ist. Unter der verdächtig dicken Farbschicht hebt sich ein Emblem ab, offenbar das ursprüngliche Hakenkreuz auf weißem Kreis. Das »retuschierte« Bild hing nach 1945 im Rathaus in der Eisenbahnstraße.
Symbolisch steht es für den Pragmatismus der Nachkriegsjahre: Vorhandenes so umzugestalten, dass es in der neuen politischen Realität weiterverwendet werden konnte.
Das Alte Rathaus war nach 1945 tatsächlich lange Jahre eine Ruine, an der keine Fahne mehr wehte.








