Fürstenwalde in der Nachkriegszeit

Am 8. Mai 1945 verliert Deutschland mit der Kapitula­tion seine staat­liche Souveräni­tät. Die Alliierten übernehmen die Regie­rungs­gewalt und teilen das Land in Besatzungs­zonen ein. Die spätere DDR liegt voll­ständig in der Sowjetischen Besat­zungs­zone (SBZ).

In Fürstenwalde richtet die Rote Armee eine Stadt­kommandan­tur, geleitet von Oberst Kitschigin, in der Alten Neuendorfer Straße ein. Die deutsche Nachkriegs­ver­wal­tung ist ihr unter­stellt. Bürger­meister, Polizei und Schul­verwal­tung werden eingesetzt, nicht gewählt. Zwischen 1945 und 1949 wird die Sowjetische Besat­zungs­zone Schritt für Schritt in einen staats­ähnlichen Raum mit eigenen Strukturen umgestaltet. Auf einem klaren »Weg in die Diktatur« ent­stehen Mechanismen politischer Kontrolle, Überwachung und Säuberung.

Im Dienst der sowjetischen Logistik und der Reparations­leistungen lässt die Rote Armee die Bahn­strecke Richtung Berlin vorüber­gehend auf Breitspur umbauen und errichtet eine Behelfs­brücke über die Spree.

Die Betriebe Deka Pneuma­tik GmbH und Julius Pintsch AG werden enteignet und demontiert. Ab 1946 beginnt der industri­elle Wieder­aufbau in Form volks­eigener Betriebe.

Für die Menschen bedeutet die Kapitula­tion den Verlust von Ordnung und Sicherheit. Sie erle­ben körperliche und seelische Erschöpfung, trauern um Tote und Vermisste und fürchten Repres­sa­lien, Hunger, Vertreibung und sowje­tische Willkür. Viele sehen sich als Opfer, empfinden Scham und versuchen Schuld von sich zu weisen.

Zugleich gibt es Erleichte­rung über das Ende der Bombardie­rungen und die Hoffnung auf eine Rück­kehr zur Normalität. Die Forschung spricht deshalb von einem Zustand des Halt- und Sinnverlustes – nicht von einem wirklichen Neuanfang.

Wie die Menschen diesen Alltag in der Umbruchs­zeit zwischen 1945 und 1949 in Fürsten­walde erlebten und bewältigten, verfolgt die Aus­stellung in fünf Kapiteln.

Foto: Triumphbogen zum Ruhm der Roten Armee in der Eisenbahnstraße, vermutlich 1945. Nach der Eroberung eines größeren Ortes errichtete die Rote Armee häufig eine solche temporäre Konstruktion aus leichtem Holz an einer prominenten Stelle.

Die beräumte Altstadt von Fürsten­walde, 1952. Eine Zeile der Mühlen­straße blieb erhalten, dahinter der zerstörte Dom. Ganz links die Ruine des Alten Rathauses.

Unter dem Motto »Jeder Stein soll für den Frieden sein« bereiten Fürstenwalder Trümmermänner Mauersteine zerstörter Gebäude für die Wiederverwendung vor. Fotografie, undatiert

Um das Vordringen sowjetischer Truppen aufzuhalten, sprengen die sich zurück­ziehende Wehrmacht und der Volks­sturm in den letzten Kriegs­tagen die Spree­brücke. Nach der Beset­zung errichtet die Rote Armee eine Behelfs­brücke. Sie dient vor allem dem Ab­trans­­port von Reparations­gütern. Die provisori­sche Kons­truk­tion bleibt bis in die 1960er Jahre in Nutzung. Fotografie, undatiert

Der Zweite Deutsche Volks­kongress beschloss 1948 in Ost-Berlin ein Volks­begehren für die deutsche Einheit – als Protest gegen eine mögliche Staats­gründung in den Westzonen. Fotografie, 1948

Die Seilfähre verband seit 1937 die Spree­ufer. Nach der Sprengung der Brücke 1945 war sie zunächst die einzige Möglich­keit, den Fluss zu über­queren. Sie blieb bis 1962 in Betrieb. Fotografie, 1962

In der Arbeiter­siedlung des Reifen­­werks in Ketschen­dorf befand sich ab 1945 das Sowje­tische Spezial­lager Nr. 5 – ein Lager des NKWD. Das Fotogra­fieren des Geländes war strengstens verboten. Fotografie, vor 1947

Nach 1945 war Brenn­material knapp, viele Wälder waren bereits stark abgeholzt. Beim »Stubben buddeln« gruben Menschen Baum­stümpfe aus, um sie als Heiz­material zu nutzen. Fotoalbum von Familie Streiter, nach 1945

Nach dem Krieg befand sich in einem proviso­risch errichteten Gebäude in der Eisen­bahn­straße der im Volks­mund sogenannte Bretter-Konsum. In leicht veränderter Form bestand er bis nach 1989. Fotografie, undatiert

Der vorläufige Barackenbau diente bis etwa 1960 als Konsum-Laden. Er stand an der ehemaligen Junkerstraße (heute Rein­heimer Straße), deren Bebauung – darunter auch das große Kaufhaus Flatauer – zerstört wurde. Fotografie, vor 1960

1935 entstand anstelle der verfallenen großen Stallungen für die Pferde der im Bürger­quartier untergebrach­ten Ulanen der Neue Markt. Nach dem Krieg nutzte man die Buden weiterhin für den Markt­verkauf. Die Fläche wurde erst 1973 neu bebaut. Fotografie, undatiert

Das Gebäude des heutigen Museums wurde seit dem 19. Jahr­hundert als Schule genutzt. Bis 1945 war hier zuletzt eine Förder­schule untergebracht, danach bis zum Ende der 1950er Jahre die Ober­schule. Fotografie mit dem Neulehrer Gerhard Goßmann, frühe 1950er Jahre.

Kinovorführungen gehörten zu den ersten Kultur­angeboten nach Kriegsende. Das bereits 1909 eröffnete Film­theater Union in der Berliner Straße überstand den Krieg unbeschadet. 1962 erhielt es eine zeitgemäße Neugestal­tung und wurde grundlegend saniert. Fotografie, 1962

Auch im Kino Alhambra in Ketschendorf konnten bald nach Kriegs­ende wieder Filmvor­führungen stattfinden. Um 1950 wurde es in Orion umbenannt. Fotografie, nach 1950

Die beräumte Altstadt von Fürsten­walde, 1952. Eine Zeile der Mühlen­straße blieb erhalten, dahinter der zerstörte Dom. Ganz links die Ruine des Alten Rathauses.

Unter dem Motto »Jeder Stein soll für den Frieden sein« bereiten Fürstenwalder Trümmermänner Mauersteine zerstörter Gebäude für die Wiederverwendung vor. Fotografie, undatiert

Wehrmacht und Volks­sturm sprengen in den letzten Kriegs­tagen die Spree­brücke. Nach der Beset­zung errichtet die Rote Armee eine Behelfs­brücke, die bis in die 1960er Jahre besteht. Fotografie, undatiert

Der Zweite Deutsche Volks­kongress beschloss 1948 in Ost-Berlin ein Volks­begehren für die deutsche Einheit – als Protest gegen eine mögliche Staats­gründung in den Westzonen. Fotografie, 1948

Die Seilfähre verband seit 1937 die Spree­ufer. Nach der Sprengung der Brücke 1945 war sie zunächst die einzige Möglich­­­keit, den Fluss zu über­queren. Sie blieb bis 1962 in Betrieb. Fotografie, 1962

In der Arbeiter­siedlung des Reifen­­werks in Ketschen­dorf befand sich ab 1945 das Sowje­tische Spezial­lager Nr. 5 – ein Lager des NKWD. Das Fotogra­fieren des Geländes war strengstens verboten. Fotografie, vor 1947

Nach 1945 war Brenn­material knapp, viele Wälder waren bereits stark abgeholzt. Beim »Stubben buddeln« gruben Menschen Baum­stümpfe aus, um sie als Heiz­­material zu nutzen. Fotoalbum von Familie Streiter, nach 1945

Nach dem Krieg befand sich in einem proviso­risch errichteten Gebäude in der Eisen­bahn­straße der im Volks­mund sogenannte Bretter-Konsum. In leicht veränderter Form bestand er bis nach 1989. Fotografie, undatiert

Der Barackenbau diente bis etwa 1960 als Konsum-Laden. Er stand an der ehemali­gen Junker­straße (heute Rein­heimer Straße), deren Bebauung – darunter auch das große Kaufhaus Flatauer – zerstört wurde. Fotografie, vor 1960

1935 entstand anstelle der verfallenen Pferde­ställe der im Bürger­quartier untergebrach­ten Ulanen der Neue Markt. Nach dem Krieg nutzte man die Buden weiterhin für den Markt­verkauf. Die Fläche wurde erst 1973 neu bebaut. Fotografie, undatiert

Das Gebäude des heutigen Museums wurde seit dem 19. Jahr­hundert als Schule genutzt. Bis 1945 war hier zuletzt eine Förder­schule untergebracht, danach bis zum Ende der 1950er Jahre die Ober­schule. Fotografie mit dem Neulehrer Gerhard Goßmann, frühe 1950er Jahre.

Kinovorführungen gehörten zu den ersten Kultur­angeboten nach Kriegs­ende. Das bereits 1909 eröffnete Film­theater Union in der Berliner Straße überstand den Krieg unbeschadet. 1962 wurde es grund­legend saniert und zeitgemäß neugestal­­tet. Fotografie, 1962

Auch im Kino Alhambra in Ketschendorf konnten bald nach Kriegs­ende wieder Filmvor­führungen stattfinden. Um 1950 wurde es in Orion umbenannt. Fotografie, nach 1950