
Endlose Flüchtlingstrecks suchen nach Kriegsende eine Bleibe diesseits von Oder und Neiße. Das Elend dieser Menschen vor Augen, setzt der junge, kriegsverwundete Bürgermeister Siebold in seinem Ort die Bodenreform rigoros durch: Das Rittergut, dessen adliger Großgrundbesitzer sich gen Westen aus dem Staub gemacht hatte, wird aufgeteilt und den Besitzlosen übereignet. Unter ihnen befindet sich die junge Umsiedlerin Jeruscheit aus Ostpreußen. Auf der Flucht verlor sie ein Kind, ihr Mann ist im Krieg verschollenen. Doch jetzt fasst sie wieder Hoffnung.
»Freies Land« thematisiert nicht nur den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Neuanfang, als zweiter Spielfilm der DEFA nach dem Krieg stellt er auch selbst einen Neuanfang dar – den des Kinos. Den Geist der Zeit gibt der Film von 1946 unmittelbar wieder. Doch auch als offensichtlicher Propagandastreifen bietet er hochinteressante Details: Gedreht wurde ohne Atelier und Kulissen direkt vor Ort in der Prignitz und in dem extrem kriegszerstörten Notstandsgebiet Lebus.
Die Nebenrollen wurden aus der Bevölkerung heraus besetzt, unter der sich auch sogenannte Neusiedler befanden. So sind neben dem lokalen Zungenschlag auch schlesische und ostpreußische Dialekte zu hören. Damit unterstreicht der Film die Realität der zusammengewürfelten, kriegsgezeichneten Gesellschaft, deren Probleme keineswegs übertüncht werden.
Auch das authentische Filmmaterial, das Regisseur Milo Harbich einbaut, lässt den Spielfilm zu einem einmaligen Zeitdokument werden. Sogar die Herstellung von Notprodukten aus militärischem Schrott wird thematisiert.
Das Museum Fürstenwalde zeigt »Freies Land« zum Abschluss der Filmreihe, die das Zeitzeugen- und Ausstellungsprojekt »Zwischenzeit — Fürstenwalde von 1945 bis 1949« begleitet.
Foto: © DEFA, Regie: Milo Harbich, Kamera: Otto Baecker



