Nach 1945 liegt Dresden in Ruinen. Der Wiederaufbau wird in Angriff genommen. Auch die Zigarettenfabrik, in der Nichtraucher Kalle gearbeitet hatte, soll neu aufgebaut werden. Damit es schneller geht, will er das zum Schweißen dringend benötigte Karbid auf eigene Faust besorgen. Per Anhalter macht sich Kalle auf nach Wittenberge, wo er Zigaretten gegen Karbid einzutauschen gedenkt. Unterwegs trifft er auf Opernsänger, Sarg-Kutscher, geschäftstüchtige amerikanische Soldaten, interessierte Witwen, schlitzohrige LKW-Fahrer — und Karla.

Mit einigen Jahren Abstand zum Kriegsende thematisiert die DEFA 1963 erstmals auf humoristische Weise die schwierigen Lebens­umstände in der Nachkriegs­zeit. Mit Erfolg, denn »Karbid und Sauer­ampfer« zählt zu den besten DEFA-Komödien. Sie ist damit ein passender Auftakt der Filmreihe, die das Ausstellungs- und Zeit­zeugen­projekt »Zwischenzeit — Fürstenwalde von 1945 bis 1949« des Museums Fürstenwalde begleitet.

Foto: © DEFA, Heinz Wenzel

Der Vater ist im Angriff auf die Sowjetunion ums Leben gekommen und nun, im März 1945, verläuft die Frontlinie bereits nahe seines Dorfes. Trotzdem glaubt der 16-jährige Hitler­junge Günter unbeirrt an den Endsieg. In dieser Überzeugung beteiligt er sich mit größtem Eifer an der Jagd auf Igor, einen jungen, sowjetischen Zwangs­arbeiter. Igor wird erschossen, Günter bekommt das Eiserne Kreuz II. In Hochstimmung meldet er sich freiwillig zum »Volks­sturm«, aber dann scheint das schlechte Gewissen zu erwachen.

Entgegen der DDR-Sprachreglung ist das Kriegsende für den Haupt­protagonisten keineswegs der »Tag der Befreiung«, sondern eine desaströse Niederlage, die zum völligen Einsturz seines Welt­bildes führt. Zudem findet sich in diesem Film kein einziger Anti­faschist und Widerstands­kämpfer – eigentlich ein obli­gato­rischer Charakter in DDR-Filmen zu diesem Thema.

Die Produktion von 1968 zeichnet damit ein realistisches Bild vom Zustand der deutschen Gesellschaft – ein Grund, weshalb der Film bis 1987 im Gift­schrank der DEFA vergessen wurde. Und für das Museum Fürstenwalde ein Grund, »Die Russen kommen« in die Filmreihe aufzunehmen, die das Zeitzeugen- und Ausstellungs­projekt »Zwischenzeit – Fürstenwalde von 1945 bis 1949« begleitet.

Foto: © DEFA, Fotograf/Kamera: Jürgen Brauer

Die 20-jährige Erika schlägt sich mühevoll durch den harten Alltag der Nach­kriegszeit. Die Partys ihrer Bekannten Annemie sind die einzigen Gelegen­heiten, sich satt zu essen. Außerdem spendieren die anwesenden Herren auch mal Nylons und Schokolade. Nach einem Streit mit ihren auf Moral pochenenden Eltern packt sie ihre Sachen und kommt bei Walter unter. Leider hat dieser bis auf ein Zimmer kaum Sachwerte zu bieten. In einer Bar gerät Erika eines Abends in eine Gesundheits­razzia – was einige unvermutete Geständnisse nach sich zieht.

Der Film von 1948 spricht ein zu jeder Zeit heikles Thema an – Geschlechts­krank­heiten. Aber in der Nachkriegs­zeit gehörten sie zu den drängendsten Problemen der Bevölkerung und der Behörden. »Straßen­bekannt­schaft« war dadurch nicht nur hochaktuell, sondern auch lösungs­orientiert: Statt auf moralische Empörung und Skandalisierung setzte der Film auf Aufklärung und Verständ­nis. Das Museum Fürstenwalde präsentiert dieses bemerkens­werte Zeit­dokument am dritten Abend der Filmreihe, die das Zeitzeugen- und Ausstellungs­projekt »Zwischenzeit – Fürstenwalde von 1945 bis 1949« begleitet.

Foto: © DEFA, Regie: Milo Harbich, Kamera: Otto Baecker

Endlose Flüchtlingstrecks suchen nach Kriegs­ende eine Bleibe diesseits von Oder und Neiße. Das Elend dieser Menschen vor Augen, setzt der junge, kriegs­verwundete Bürger­meister Siebold in seinem Ort die Boden­reform rigoros durch: Das Rittergut, dessen adliger Großgrund­besitzer sich gen Westen aus dem Staub gemacht hatte, wird aufgeteilt und den Besitz­losen übereignet. Unter ihnen befindet sich die junge Umsiedlerin Jeruscheit aus Ostpreußen. Auf der Flucht verlor sie ein Kind, ihr Mann ist im Krieg verschollenen. Doch jetzt fasst sie wieder Hoffnung.

»Freies Land« thematisiert nicht nur den gesellschaft­lichen und wirtschaft­lichen Neuanfang, als zweiter Spielfilm der DEFA nach dem Krieg stellt er auch selbst einen Neuanfang dar – den des Kinos. Den Geist der Zeit gibt der Film von 1946 unmittelbar wieder. Doch auch als offensichtlicher Propaganda­streifen bietet er hochinteressante Details: Gedreht wurde ohne Atelier und Kulissen direkt vor Ort in der Prignitz und in dem extrem kriegs­zerstörten Notstands­gebiet Lebus. Die Neben­rollen wurden aus der Bevöl­kerung heraus besetzt, unter der sich auch sogenannte Neusiedler befanden. So sind neben dem lokalen Zungenschlag auch schlesische und ostpreußische Dialekte zu hören.

Damit unterstreicht der Film die Realität der zusammen­gewürfelten, kriegsge­zeichneten Gesellschaft, deren Probleme keineswegs übertüncht werden. Auch das authentische Film­material, das Regisseur Milo Harbich einbaut, lässt den Spielfilm zu einem einmaligen Zeit­dokument werden. Sogar die Herstellung von Notprodukten aus militärischem Schrott wird thematisiert.

Foto: © DEFA, Regie: Milo Harbich, Kamera: Otto Baecker

Nach 1945 liegt Dresden in Ruinen. Der Wiederaufbau wird in Angriff genommen. Auch die Zigaretten­fabrik, in der Nicht­raucher Kalle gearbeitet hatte, soll neu aufgebaut werden. Damit es schneller geht, will er das zum Schweißen dringend benötigte Karbid auf eigene Faust besorgen. Per Anhalter macht sich Kalle auf nach Wittenberge, wo er Zigaretten gegen Karbid einzu­tauschen gedenkt. Unterwegs trifft er auf Opernsänger, Sarg-Kutscher, geschäfts­tüchtige amerikanische Soldaten, interessierte Witwen, schlitz­ohrige LKW-Fahrer — und Karla.

Mit einigen Jahren Abstand zum Kriegsende thematisiert die DEFA 1963 erstmals auf humoris­tische Weise die schwierigen Lebens­umstände in der Nachkriegs­zeit. Mit Erfolg, denn »Karbid und Sauer­ampfer« zählt zu den besten DEFA-Komödien. Sie ist damit ein passender Auftakt der Filmreihe, die das Aus­stellungs- und Zeit­zeugen­projekt »Zwischenzeit — Fürstenwalde von 1945 bis 1949« des Museums Fürstenwalde begleitet.

Foto: © DEFA, Heinz Wenzel

Der Vater ist im Angriff auf die Sowjetunion ums Leben gekommen und nun, im März 1945, verläuft die Frontlinie bereits nahe seines Dorfes. Trotzdem glaubt der 16-jährige Hitler­junge Günter unbeirrt an den Endsieg. In dieser Über­zeugung beteiligt er sich mit größtem Eifer an der Jagd auf Igor, einen jungen, sowjetischen Zwangs­arbeiter. Igor wird erschossen, Günter bekommt das Eiserne Kreuz II. In Hoch­stimmung meldet er sich freiwillig zum »Volks­sturm«, aber dann scheint das schlechte Gewissen zu erwachen.

Entgegen der DDR-Sprach­reglung ist das Kriegsende für den Haupt­protagonisten keineswegs der »Tag der Befreiung«, sondern eine desaströse Niederlage, die zum völligen Einsturz seines Welt­bildes führt. Zudem findet sich in diesem Film kein einziger Anti­faschist und Widerstands­kämpfer – eigentlich ein obli­gato­rischer Charakter in DDR-Filmen zu diesem Thema.

Die Produktion von 1968 zeichnet damit ein realistisches Bild vom Zustand der deut­schen Gesellschaft – ein Grund, weshalb der Film bis 1987 im Gift­schrank der DEFA ver­gessen wurde. Und für das Museum Fürstenwalde ein Grund, »Die Russen kommen« in die Filmreihe aufzunehmen, die das Zeitzeugen- und Aus­stellungs­projekt »Zwischen­­zeit – Fürstenwalde von 1945 bis 1949« begleitet.

Foto: © DEFA, Fotograf/Kamera: Jürgen Brauer

Die 20-jährige Erika schlägt sich mühevoll durch den harten Alltag der Nach­kriegszeit. Die Partys ihrer Bekannten Annemie sind die einzigen Gelegen­heiten, sich satt zu essen. Außerdem spendieren die anwesenden Herren auch mal Nylons und Schokolade. Nach einem Streit mit ihren auf Moral pochenenden Eltern packt sie ihre Sachen und kommt bei Walter unter. Leider hat dieser bis auf ein Zimmer kaum Sachwerte zu bieten. In einer Bar gerät Erika eines Abends in eine Gesundheits­razzia – was einige unver­mute­te Geständnisse nach sich zieht.

Der Film von 1948 spricht ein zu jeder Zeit heikles Thema an – Geschlechts­krank­heiten. Aber in der Nachkriegs­zeit gehörten sie zu den drängendsten Problemen der Bevölkerung und der Behörden. »Straßen­bekannt­schaft« war dadurch nicht nur hochaktuell, sondern auch lösungs­orientiert: Statt auf moralische Empörung und Skandalisierung setzte der Film auf Aufklärung und Verständ­nis. Das Museum Fürstenwalde präsentiert dieses bemerkens­werte Zeit­dokument am dritten Abend der Filmreihe, die das Zeitzeugen- und Aus­stellungs­projekt »Zwischen­zeit – Fürstenwalde von 1945 bis 1949« begleitet.

Foto: © DEFA, Regie: Milo Harbich, Kamera: Otto Baecker

Endlose Flüchtlingstrecks suchen nach Kriegs­ende eine Bleibe diesseits von Oder und Neiße. Das Elend dieser Menschen vor Augen, setzt der junge, kriegs­verwundete Bürger­meister Siebold in seinem Ort die Boden­reform rigoros durch: Das Rittergut, dessen adliger Großgrund­besitzer sich gen Westen aus dem Staub gemacht hatte, wird aufgeteilt und den Besitz­losen übereignet. Unter ihnen befindet sich die junge Umsiedlerin Jeruscheit aus Ostpreußen. Auf der Flucht verlor sie ein Kind, ihr Mann ist im Krieg verschollenen. Doch jetzt fasst sie wieder Hoffnung.

»Freies Land« thematisiert nicht nur den gesellschaft­lichen und wirtschaft­lichen Neu­anfang, als zweiter Spiel­film der DEFA nach dem Krieg stellt er auch selbst einen Neuanfang dar – den des Kinos. Den Geist der Zeit gibt der Film von 1946 unmittelbar wieder. Doch auch als offensichtlicher Propaganda­streifen bietet er hochinteressante Details: Gedreht wurde ohne Atelier und Kulissen direkt vor Ort in der Prignitz und in dem extrem kriegs­zerstörten Notstands­gebiet Lebus. Die Neben­rollen wurden aus der Bevöl­kerung heraus besetzt, unter der sich auch sogenannte Neusiedler befanden. So sind neben dem lokalen Zungenschlag auch schlesische und ostpreußische Dialekte zu hören.

Damit unterstreicht der Film die Realität der zusammen­gewürfelten, kriegsge­zeich­neten Gesellschaft, deren Probleme keineswegs über­tüncht werden. Auch das authentische Film­material, das Regisseur Milo Harbich einbaut, lässt den Spielfilm zu einem einmaligen Zeit­dokument werden. Sogar die Herstellung von Notprodukten aus militärischem Schrott wird thematisiert.

Foto: © DEFA, Regie: Milo Harbich, Kamera: Otto Baecker