Die Russen kommen, DEFA-Spielfilm 1968/97

Der Vater ist im Angriff auf die Sowjetunion ums Leben gekommen und nun, im März 1945, verläuft die Frontlinie bereits nahe seines Dorfes. Trotzdem glaubt der 16-jährige Hitler­junge Günter unbeirrt an den Endsieg. In dieser Überzeugung beteiligt er sich mit größtem Eifer an der Jagd auf Igor, einen jungen, sowjetischen Zwangs­arbeiter. Igor wird erschossen, Günter bekommt das Eiserne Kreuz II. In Hochstimmung meldet er sich freiwillig zum »Volks­sturm«, aber dann scheint das schlechte Gewissen zu erwachen.

Entgegen der DDR-Sprachreglung ist das Kriegsende für den Haupt­protagonisten keineswegs der »Tag der Befreiung«, sondern eine desaströse Niederlage, die zum völligen Einsturz seines Welt­bildes führt. Zudem findet sich in diesem Film kein einziger Anti­faschist und Widerstands­kämpfer – eigentlich ein obli­gato­rischer Charakter in DDR-Filmen zu diesem Thema.

Die Produktion von 1968 zeichnet damit ein realistisches Bild vom Zustand der deutschen Gesellschaft – ein Grund, weshalb der Film bis 1987 im Gift­schrank der DEFA vergessen wurde. Und für das Museum Fürstenwalde ein Grund, »Die Russen kommen« in die Filmreihe aufzunehmen, die das Zeitzeugen- und Ausstellungs­projekt »Zwischenzeit – Fürstenwalde von 1945 bis 1949« begleitet.

Foto: © DEFA, Fotograf/Kamera: Jürgen Brauer